Das Weltlädeli in Murg – Lieferant für Supermärkte
Für dieses Portrait haben wir mit Frank Geiger aus dem Leitungsteam des Weltlädeli Murg gesprochen. Das Weltlädeli Murg ist der südlichste Weltladen in Baden-Württemberg, direkt am Hochrhein, unmittelbar an der Grenze zur Schweiz.
Herr Geiger, bitte stellen Sie Ihren Laden einmal kurz vor …
Das Weltlädeli besteht bereits seit 1986. Die ersten Jahre war der Laden im Obergeschoss des Rathauses der Gemeinde untergebracht; vor 25 Jahren konnte das Weltlädeli das neue Domizil in der Murger Mitte beziehen.
Heute präsentiert sich das Weltlädeli in hellen, modern eingerichteten Räumen mit großen Schaufenstern und geräumigen Regalen. An der schönen Ladentheke kommt frisch gebrühter Pidecafé, der Weltlädeli Partnerschaftskaffee, zum Ausschank. Die Kundschaft wird im Lädeli mit dem Satz „Nuestros productos tienen alma y corazón - Unsere Produkte haben Seele und Herz“ begrüßt. Er ziert die orangefarbene Wand hinter der Verkaufstheke.
Der Weltladen hat mit rund 20 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen an sechs Tagen in der Woche geöffnet. Träger des Weltlädeli ist der Verein Faire Eine Welt e.V. mit ca. 140 Mitgliedern
Eine Besonderheit Ihres Ladens besteht darin, dass Sie einen Supermarkt beliefern. Was steckt dahinter, um welche Produkte geht es da und wie kam es dazu?
Das Weltlädeli ist Mitglied im örtlichen Gewerbeverein. Hierüber entstand vor vielen Jahren ein erster Kontakt zu den EDEKA Schmidt´s Märkten Rickenbach, woraus sich eine mittlerweile jahrelange Kooperation mit dem Weltlädeli und der GEPA entwickelte. Die Schmidt´s Märkte wurden zu einem der Initiatoren, dass EDEKA Südwest GEPA Produkte listet, die so Eingang in das Sortiment der Supermärkte finden.
2004 wurde in Murg der Murgtalkaffee eingeführt und davon ausgehend in der Nachbarstadt Bad Säckingen der Trompeterkaffee zum Stadtkaffee. Dieser hielt als Hausmarke Einzug in die EDEKA Schmidt´s Märkte. Die Belieferung der Schmidt´s Supermärkte mit Kaffee durch das Weltlädeli stellt heute eine bundesweit beispielhafte Kooperation zwischen einem Weltladen und einem Vollsortimenter dar.
Die Zusammenarbeit wird bis heute erfolgreich weitergeführt und es finden gemeinsame Veranstaltungen zur Fairen Woche und zu den Weltladentagen statt.
Neben der Kooperation mit EDEKA ist euer Weltlädeli auch noch für andere Aktionen und Kooperationen bekannt …
Ja, das stimmt. Bundesweites Aufsehen erregte zum Beispiel 2010 der Murger Riesen-Kochlöffel, der von Murg aus auf Deutschland-Tour ging und schließlich nach Berlin gelangte, um dort die Kampagne „Öko plus Fair ernährt mehr“ zu bewerben.
Untrennbar mit dem Murger Weltlädeli verbunden und überregional bekannt ist Willi Moosmann. Dem Gründer des Weltlädelis und langjährigen Vereinsvorsitzenden ist es gelungen, internationale Gäste an den Hochrhein zu bringen, die dem Fairen Handel jeweils ein Gesicht gaben.
Das Weltlädeli Murg ist nahezu von Anfang an Mitglied im DEAB und im Weltladen-Dachverband. Mit den „Fairen 7“ gelingt die Vernetzung der regionalen Weltläden am Hochrhein und im Wiesental. Nachdem Murg bereits 2014 erste Fairtrade Gemeinde im Landkreis wurde, folgten in den zurückliegenden Jahren fünf weitere Städte und Gemeinden.
Dass der Landkreis Waldshut vor wenigen Wochen die Auszeichnung zum Fairtrade Landkreis entgegennehmen konnte, geht auch auf das Engagement Willi Moosmanns zurück.
Wie sieht es aus mit Aktivitäten im Bildungsbereich?
Als Lernort des Fairen Handels ist das Murger Weltlädeli Kooperationspartner mehrerer Bildungseinrichtungen. In der Fairtrade Gemeinde Murg ist es selbstverständlich, dass bereits die Kleinsten aus den Kindergärten das Weltlädeli erkunden. Grundschulklassen lernen den Fairen Handel ebenfalls im Weltlädeli kennen. Die Auszeichnung als Fairtrade School erreichte das benachbarte Scheffelgymnasium Bad Säckingen durch die Kooperation mit dem Weltlädeli.
Über das Jahr verteilt absolvieren regelmäßig Schülerinnen und Schüler der Nachbarschulen ihr Sozialpraktikum im Weltlädeli. Die Grundschule im Ortsteil Niederhof ist bereits rezertifizierte Naturparkschule. Hier bildet die Kooperation mit dem Weltlädeli und die Aufnahme des Fairen Handels als obligatorisches Modul im Portfolio der Naturparkschule ein Alleinstellungsmerkmal im gesamten Naturpark Südschwarzwald.
Das hört sich alles sehr beeindruckend an. Wie blicken Sie in die Zukunft?
Im Juli 2020 übernahmen Manfred Trenkle und ich die Führung im Weltlädeli und im Verein Faire Eine Welt e.V. von Willi Moosmann. Mit dem Wechsel wurde ein Transformationsprozess angestoßen, um über „shared Leadership“ den Trägerverein und das Weltlädeli zu modernisieren und zukunftsfähig aufzustellen. Neben Manfred Trenkle und mir sind mit Claudia Caputo in der Bildungsarbeit und Alexandra Bäumle als Co-Geschäftsführerin die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt.
Das Weltlädeli spielt über Jahrzehnte eine wichtige Rolle, um das Bewusstsein für den Fairen Handel voranzubringen. Am Hochrhein hat sich der Faire Handel etabliert. Und dennoch: Es gibt noch viel Luft nach oben …